Kapitel 17: Meine rechtsmedizinische Fragen an den Prof. Wolfgang Eisenmenger

 

„Es ist leichter die Menschen zu täuschen, als davon zu überzeugen, dass sie getäuscht worden sind.“ – Mark Twain

Endlich war es dann soweit. Nachdem Professor seinen Vortrag über die Lungenmedizin beendet hatte (Siehe Abschnitt 16.8), fragte ich die Richterin Dr. Ines Tauscher, ob ich dem Gerichtsmediziner Fragen stellen darf. Doch gerne. Bitte. Die Richterin erlaubte mir sehr bereitwillig.

Prof. EISENMENGER war sichtbar sauer und sah mich so an, dass mir Luft weg blieb. Sagte nichts. Mark NIBBE hinter mir die Nase hochzog. Eine Befragung durch einen Angeklagten? Macht so was nicht normalerweise ein Anwalt? Nebenbei bemerkt: Die anderen Verfahrensbeteiligten dürfen anschließend ergänzende einzelne Fragen stellen [297].

17.1     Der Jochbeinbruch. Die Hutkrempenregel.

Ich erinnerte den Professor erneut daran (Siehe Abschnitt 14.7.2), dass Herr SMALUCH keine Verletzungen oberhalb der sog. Hutkrempe gehabt hatte. Die Regel besagt, dass Verletzungen oberhalb einer gedachten Hutkrempe wahrscheinlich durch Schläge, unterhalb dieser Linie wahrscheinlich durch Stürze entstanden sind [025].

17.1.1  Antwort des Professors Eisenmenger.

Prof. EISENMENGER antwortete, dass diese Regel nur begrenzt anwendbar ist, weil nur bestimmte Fälle erfasst, nicht allgemein genug ist und nur zurückhaltend anzuwenden ist.

17.1.2  Die Ergänzung: Der Jochbeinbruch. Die Hutkrempenregel.

Prof. EISENMENGER hatte im Prinzip recht gehabt (Siehe Abschnitt 17.1.1), die Hutkrempenregel wird nur als Entscheidungshilfe angewandt, da sie in vielen Situationen nicht hinreichend zutreffend ist. Verletzungen durch Dritte, etwa durch Schläge oder Tritte ins Gesicht, widersprechen der Regel [025].

Herr Professor, das Problem dabei ist, dass auch andere Indizien und Hinweise, sprechen gegen die Szenario mit Fußtritten ins Gesicht bzw. gegen den Kopf. Es gibt ziemlich klare Beweise für einen Sturz (Siehe Abb. 2.20 und 2.21). Auch ein Faustschlag (Siehe Abb. 2.25) trifft im Regelfall unterhalb der Hutkrempenlinie auf [111]. D.h. für eine einfache Körperverletzung begangen in Notwehr (Siehe Abb. 2.25) oder nicht (Siehe Abb. 15.5), aber keine Anhaltspunkte für eine gefährliche KV. Gerade in solchen Situation, diese kleine Entscheidungshilfe hilft es, die richtige Entscheidung zu treffen, insb. wenn sie mehrfach erwähnt wurde.

17.2     Der Jochbeinbruch. Der fehlende Schuhabdruck im Gesicht.

Ich hatte es bereits erwähnt (Siehe Abschnitt 14.7.2) und ein Beispiel angegeben. Anhand eines Gesichtsfotos aus einem anderen Prozess wegen gefährlicher KV [127], zeigte wie ein Schuhabdruck im Gesicht aussieht. Ich sagte ihm, dass im Bereich der Jochbeinfraktur und weit darüber hinaus Roman SMALUCH hatte keine Wunden, die auf einen Tritt mit einem beschuhten Fuß hindeuten.

17.2.1  Antwort des Professors Eisenmenger.

Prof. EISENMENGER behauptete, dass oft die Schuhabdrücke nicht oder nur kaum sichtbar sind. Sie sind abhängig von Kraft des Trittes, aber auch ob sie von der Schuhspitze oder von dem glatten Teil des Schuhs.

17.2.2  Die Ergänzung: Der Jochbeinbruch. Der fehlende Schuhabdruck im Gesicht. Die Schürfungen an der Stirn.

Es klang einigermaßen verständlich (Siehe Abschnitt 17.2.1). Aber in meinem Fall traf das absolut nicht zu. Die sog. Slipper-Sandalen, die ich am 13.11.2014 in der Tiefgarage getragen hatte, eine auffallend sehr hohe, breite Überkappe aus gehärtetem Gummi mit speziellem Profil (Siehe Abb. 17.1). Diese Slipper-Sandalen haben keine glatte Flächen, die geeignet wären, keine Schuhabdrücke hinterlassen. Und das ist noch nicht alles: Während der Kripovernehmung am 01.12.2014, Roman SMALUCH hatte behauptet, dass ich hatte eher wie nach einem Ball nach seinem Kopf getreten (Siehe Unterlage 088, Az; 851 Ds 263 Js 224834/14, S. 27). D.h. mit meinen Slipper-Sandalen kann man nur mit der Sandale-Spitze treten und die Spuren hinterlassen.

Slipper-Sandalen

Abb. 17.1:       Meine Slipper-Sandalen mit einer sehr hoher und breiter Überkappe aus gehärtetem Gummi mit speziellem Profil

Das Indiz ist relativ stark, wenn es relativ häufig in Zusammenhang mit Fußtritten gegen Gesicht bzw. Kopf auftritt [082] [084] [163] [185] [221] [247] [250] [268] [277] [336].

Bezüglich der Kraft des Trittes, man kann sagen, dass Prof. EISENMENGER sich selbst widerspricht. Im Nachhinein behauptete er nachdrücklich, dass so eine komplizierte Fraktur kann nur unter der Wirkung einer sehr großen Kraft erfolgen. D.h. nur durch einen Fußtritt. Ein Sturz oder ein Stoß kann nicht in Frage kommen (Siehe Abschnitt 17.3.1 und 17.4.1).

Dazu auf zahlreichen Fotos, neben dem stark geschwollenen Auge, waren zwei Schürfungen an der Stirn sichtbar (Siehe Abschnitt 16.2.2). Es waren nur Schürfungen, aber keine Hämatome. Also kleine Kraft, keine gefährliche Verletzung [273], aber trotzdem Spuren hinterlassen. Also, eine ähnliche Inkonsistenz und Inkonsequenz sind mir in einer Behauptung und einer Begründung noch nicht begegnet.

Das ist nicht logisch, das ist nicht glaubwürdig.

17.3     Der Jochbeinbruch. Der Sturz auf dem Boden.  

Die bisherigen Fragen waren harmlos gegenüber den schwerwiegenderen, die jetzt beantworten musste. Ab jetzt musste Prof. EISENMENGER nachweislich lügen, oder besser noch: einem unschuldigen Menschen Schaden zuzufügen, um für einen anderen Menschen Vorteile daraus zu ziehen.

Ich sagte dem Professor, dass der Jochbeinbruch war hochwahrscheinlich die Folge des Sturzes gewesen. Ich erklärte ihm nochmal, dass Herr SMALUCH während des Sturzes auf den Boden hatte sein Gesicht mit seinen Händen und Ellenbogen vor dem Aufprall nicht schützen können. Er hatte seine Hände noch am meinen Hals gehabt und ich hatte seine Oberarme festgehalten (Siehe Abb. 2.20 und 2.21).

17.3.1  Antwort des Professors Wolfgang Eisenmenger.            

Professor antwortete diese Frage noch höflich, aber mit einem leisen Unterton von Ungeduld. Nach Angaben meiner Frau, der Kollege Mark NIBBE saß nicht ruhig und machte eine Miene, als ob er sich für mich schämen musste, so, als ob ich der wahnhafte Verbrecher wäre. Die Situation gerät zunehmend „Außer Kontrolle“. Peinliche Situation für den Professor, er wusste sehr wohl, dass wir ihm nicht glauben. Ich sah deutlich, dass die Richterin Dr. Tauscher ihm auch inoffiziell nicht glaubte, ihre Miene war zerknirscht, die Augenbrauen hochgezogen und ihr Mund zu einem schmalen Strich zusammengepresst.

Prof. EISENMENGER setzte alles auf eine neue pseudowissenschaftliche Theorie. Nicht den Hauch eines Zweifels. Er behauptete nicht nur, dass die Frakturen des Jochbeins durch Stürze entstehen äußerst sehr selten, sondern auch, dass so ein komplizierter Jochbeinbruch wie ihn der Nebenkläger Roman SMALUCH erlitten hatte, eigentlich nur durch einen kräftigen gezielten Fußtritt entstehen konnte.

Auf diese Weise suggerierte er dem Gericht, dass ein einfacher Jochbeinbruch kann evtl. durch einen Sturz verursacht werden, aber nicht ein komplizierter. Ist das etwa so einfach? Prof. EISENMENGER behauptete zusätzlich, dass der mehrfacher Jochbeinbruch seltener auftritt als ein einfacher Bruch, was hinweist, dass mein Fußtritt ins Gesicht war richtig stark gewesen. Das Gegenteil ist der Fall (Siehe Abschnitt 17.3.2).

17.3.2  Die Ergänzung: Der Jochbeinbruch. Der Sturz auf dem Boden. Ein gewichtiger Grund für die Wiederaufnahme des Verfahrens.

Einen Sturz als die Ursache eines Jochbeinbruchs hatte Prof. EISENMENGER völlig ausgeschlossen (Siehe Abschnitt 17.3.1). Trotz der zahlreichen Beweise und der unzähligen Indizien. Und vor allem, ungeachtet der Tatsache, dass aus der Sicht der Medizin, der Sturz gehört zu den häufigsten Ursachen des Bruchs eines Jochbeinbruchs.

Um es zugespitzt auszudrücken: Prof. EISENMENGER hat vorsätzlich gelogen und betrogen. Irrtum ausgeschlossen. Dementsprechend liegt der sachliche Grund für die Wiederaufnahme des Verfahrens gem. § 359 (2) StPO.

Das reflektorische Abdrehen des Kopfes bei frontaler Gefahr und die exponierte Lage des Jochbeins führen dazu, dass Frakturen dieses Knochens sehr häufig sind [272]. Vielleicht in der Gerichtsmedizin kommt der Sturz als die Ursache des Jochbeinbruchs nicht allzu oft vor, aber gehört er in der Medizin zum Alltag [122] [124] [166] [214] [216] [235] [252] [280] [307].

Die Behauptung, dass ein komplizierter d.h. mehrfacher Jochbeinbruch, eigentlich nur durch einen kräftigen gezielten Fußtritt entstehen konnte und Suggestion, dass in sonstigen Fällen evtl. eine einfache Verletzung des Jochbeins entstehen kann, ist derart unprofessionell und unprofessionell vereinfacht, dass es ein einigermaßen intelligenter Laie einfach nicht für möglich halten würde. In ähnlicher Weise kann man behaupten, dass bei einem Verkehrsunfall zweier PKWs, immer nur die Sachschaden an den Stoßstangen entstehen und erst wenn ein PKW mit einem LKW frontal zusammenstoßen wird, dann größere Schäden verursacht werden.

Doch in der Fachliteratur habe ich gelesen, dass die einfache Brüche eher selten vorkommen. Es überraschte mich, aber es ist logisch.

Am häufigsten sind mehrfache Frakturen, bei denen die Fragmente im Sinne der Impression verschoben sind, entsprechend der Richtung einer von außen her einwirkenden Gewalt [176]. Der Grund dafür, denke ich, ist, dass die direkte mechanische Gewalt wird auf der Fläche gleichmäßig verteilt. D.h. wenn die mechanische Gewalt und sonstige ungünstige Umstände schwach und nicht so ungünstig sind, das Jochbein bricht nicht. Wenn die mechanische Gewalt größer wird und sonstige ungünstige Umstände ungünstiger werden, das Jochbein kann aus seinen sämtlichen Verbindungen mit den benachbarten Knochen herausgelöst sein.

17.4     Der Jochbeinbruch durch den Stoß eventuell durch den Schlag.         

Zwischenzeitlich war Prof. EISENMENGER wirklich genervt. Objektiv juristisch gesehen, die Begründungen für eine gerechte Verurteilung, waren auf null geschwunden, stattdessen seine Autorität wurde immer wieder in Frage gestellt.

Und ich wollte einfach weiter Fragen stellen – und ich hatte viele Fragen, glauben Sie mir. Ich wusste, dass ich ihn nicht überzeugen konnte, wusste dass er befangen war, aber was sollte ich tun? Schweigen weil die Gauner nicht wollten, dass die Sache noch mehr hochgekocht wird? Hinter mir hörte ich, Mark NIBBE laut ausatmen, als hätte er die Luft angehalten, bis er meine nächste Frage an Professor wusste.

Ich wiederholte, dass während der dritten Attacke, hatte ich den Angreifer Roman SMALUCH ins Gesicht getroffen (Siehe Abb. 2.24 und 2.25) und so heftig mit so einer Wucht gestoppt und weggeschubst, dass er dadurch nicht nur abrupt zum Stehen gekommen war, sondern mehrere Meter nach hinten getaumelt hatte (Siehe Abb. 2.26).

17.4.1  Antwort des Professors Wolfgang Eisenmenger.

Prof. EISENMENGER behauptete, dass die Frakturen des Jochbeins können nicht durch den Stoß oder durch einen Faustschlag verursacht werden, hier muss die Gewalteinwirkung schon recht heftig gewesen sein. Ich erwiderte ihm, dass die wirkende Kraft war damals enorm gewesen und habe ihm darauf aufmerksam gemacht, dass der Jochbeinbruch ist eine Verletzung, die häufig beim Boxen auftritt [156] [310].

Professor antwortete mir nicht. Was sollte er antworten? Es waren doch schon alle Worte gesagt: Meine logische und bodenständige Argumente gegen seine merkwürdigen Interpretationen.

17.4.2 Die Ergänzung: Der Jochbeinbruch durch den Stoß, eventuell durch den Schlag. Ein zusätzlicher Grund für die Wiederaufnahme des Verfahrens.

Ich selber habe diese Version damals für weniger wahrscheinlich gehalten, aber ausschließen konnte ich nicht. Es ist möglich, dass Herr SMALUCH nach dem Sturz auf den Boden hatte gar keinen Jochbeinbruch erlitten (Siehe Abb. 2.21), nur die relativ winzige Schürfungen an der Stirn (Siehe Abschnitt 16.2.2). Erst während der dritten Attacke, hatte ich den Angreifer Roman SMALUCH ins Gesicht mit voller Wucht getroffen (Siehe Abb. 2.24 und Abb. 2.25). Ich habe diese Version aber für weniger wahrscheinlich gehalten, weil dessen Nase möglicherweise schon nach dem Sturz auf den Boden und nicht nach einem harten Treffer zu bluten begonnen hatte (Siehe Abschnitt 2.9).

Für den Gerichtsmediziner Prof. EISENMENGER ist eine derartige Möglichkeit völlig ausgeschlossen, selbst nachdem ich noch einmal betont hatte, dass der Stoß wirklich so heftig war, dass es so ein Jochbeinbruch wie nach einem Faustschlag geben könnte.

So viel stimmt jedenfalls: Prof. EISENMENGER hatte recht gehabt, für das Auftreten eines Jochbeinbruchs ist eine sehr starke Gewalteinwirkung auf das Jochbein. Die Gesichtsknochen, zu denen auch das Jochbein gehört, brechen zwar leichter als zum Beispiel ein Oberschenkelknochen, aber ein Jochbein bricht nicht durch eine Ohrfeige [156]. Aber die Behauptung, dass ein Jochbeinbruch in Folge eines heftigen Stoßes bzw. Schlages nicht auftreten kann, ist schon deswegen abstrus, weil sie mit der bitteren Realität nichts zu tun hat [040] [168] [197] [210] [274] [281] [282] [296] [303] [338]. Es muss nicht mehr begründet werden.

Prof. EISENMENGER hat erneut vorsätzlich gelogen (Siehe Abschnitt 17.4.1). Dementsprechend liegt erneut der sachliche Grund für die Wiederaufnahme des Verfahrens gem. § 359 (2) StPO.

17.5     Der Pneumothorax durch Verletzung nach Sturz.         

Darauf war ich nicht vorbereitet, weil mir niemand vor der Hauptverhandlung gesagt hatte, dass es ein Pneumothorax zum Hauptthema geben wird (Siehe Abschnitt 7.1.3, 7.6 und 9.2.6). Ich wusste nur eins: Fast gleich nachdem, als ich auf dem Boden gelegen und Herr Roman SMALUCH mich gewürgt hatte, war er auch zu Boden gestürzt. Er war auf sein Gesicht gefallen und gleichzeitig dabei seine Brust beim Aufprall auf meinen Kopf gestürzt hatte (Siehe Abb. 2.26). Infolgedessen hatte ich hart mit dem hinteren Teil des Kopfes auf dem Garagenboden aufgeschlagen. Ich zweifle nicht daran, dass es auch für Roman S. zu mindestens unangenehm gewesen war, wenn nicht schmerzhaft.

Ich kann es nachvollziehen: Vor sehr vielen Jahren hatte ich selbst einen Unfall im Badezimmer gehabt, ich war in der Badewanne ohne Fremdbeteiligung ausgerutscht und mit dem Oberkörper gegen das Handwaschbecken geknallt. Danach hatte ich das Gefühl, überhaupt keine Luft mehr zu bekommen. Das Atmen hatte mir richtig wehgetan.

Ich erinnerte den Professor EISENMENGER, dass Herr SMALUCH war auf sein Gesicht gefallen und gleichzeitig dabei seine Brust beim Aufprall auf meinen Kopf gestürzt hatte (Siehe Abb. 2.21). Ich betonte, dass Herr SMALUCH war aus ca. 1 Meter Höhe gestürzt (Siehe Abb. 2.20) und während des Sturzes auf den Boden hatte weder sein Gesicht und noch seine Brust mit seinen Händen und Ellenbogen vor dem Aufprall nicht schützen können (Siehe Abb. 2.21).

17.5.1  Antwort des Professors Wolfgang Eisenmenger.

Die vielen Nachfragen von mir nervten ihn zunehmend, mobbten ihn und drängten ihn in die undankbare Rolle eines gemeinen Verleumders. Irritiert guckte Prof. EISENMENGER die Richterin an und suchte mit den Augen Hilfe, bevor mir erwiderte, dass es nicht möglich sei.

Ich freilich ließ sich von diesem fiktiven Szenario nicht beirren und hakte beim Professor weiter nach. Hierbei ist es wichtig, zu beachten, dass die Diskussion war rein hypothetisch. Einerseits glaubte ich kein Wort an dieser Pneumothorax-Geschichte, anderseits Prof. EISENMENGER hatte keinen Zugang zu medizinischen Unterlagen von Herrn SMALUCH (Siehe Abschnitt 16.4). Ich erklärte dem Professor, dass schon eine geringe Höhe kann zu Verletzungen führen, wenn man nicht richtig aufspringt. Da reicht schon ein bloßer Sturz aus dem Bett, sich bei ungünstigen Umständen sonst was im Oberkörperbereich oder ähnliches zu brechen [362].

Prof. EISENMENGER verneinte es mit Kopfschütteln. Eine Begründung: Fehlanzeige. Stattdessen bezog sich auf seine Erfahrung als Gerichtsmediziner und irgendwelche medizinische Untersuchungen aus Würzburg, die er nicht begründet hat. Das alles in einem Ton, der mir zu verstehen gab, dass er nicht bereit sei, seine Meinung zu ändern. Dabei wirkte er nicht mehr lässig, eher trotzig, fast aggressiv.

Das fiktive Konstrukt gegen mich ist ins Wanken geraten. Die Richterin Dr. Ines Tauscher erkannte, dass weitere Fragen zu keinen anderen Ergebnissen führen würden, stattdessen eine weitere Bloßstellung des Professors kann großen Ärger bringen, vor allem für sie. Dr. Tauscher bemerkte, dass es ziemlich spät wird, um ihn von mir zu befreien.

17.5.2  Die Ergänzung: Der Pneumothorax durch Verletzung nach Sturz. Ein sachlicher Grund für die Wiederaufnahme des Verfahrens.

Am dritten Verhandlungstag wollte ich mich mit dieser Problematik sehr ausführlich auseinandersetzen, aber am Sonntag, den 21.02.2016, RA Mark NIBBE hat mich rechtswidrig unter Druck gesetzt und hatte mir ein falsches Geständnis abgepresst (Siehe Kapitel 21).

Ein Pneumothorax durch einen Sturz aus relativ geringer Höhe hält der Gerichtmediziner Prof. EISENMENGER für nicht möglich (Siehe Abschnitt 17.5.1). Aber was soll ich schreiben? Denn ich weiß nicht, ob Herr SMALUCH überhaupt einen Pneumothorax erlitten hatte (Siehe Abschnitt 6.3, 7.3, 7.9.1 und 16.4). Was steht in den medizinischen Unterlagen? Eine Diagnose des Pneumothoraxes und eine Behandlung? Oder eine Verdachtsdiagnose die sich später nicht bestätigt hatte? Welche Symptomen hatte Herr SMALUCH gehabt und wie lange hatten sie gedauert? Wie stark war denn dieser Pneumothorax bei ihm ausgeprägt? Welche Diagnostik wurde denn gemacht, um eine Diagnose zu stellen? Vielleicht Röntgen? Wo ist das Röntgenfoto? Wir wissen nicht, Prof. EISENMENGER wahrscheinlich auch nicht.

In der Anklageschrift steht zu lesen, dass Herr SMALUCH Schmerzen bzw. starke Schmerzen am Oberkörper und an den Armen gehabt hatte (Siehe Unterlage 095). Und diese o.g. Schmerzen passen ja zu einem Sturz aus ca. 1 Meter Höhe.

Ich möchte noch mal darauf hinweisen, dass u.a. die Tonaufnahme bestätigt unsere Version des Geschehens. Als ich auf dem Boden gelegen hatte und Roman SMALUCH mich gewürgt hatte, meine Frau Kinga hatte zu Roman SMALUCH geschrien: „- Lass ihn, weil ich sonst zuschlagen werde“,“- Lass ihn!“, „- Lass ihn, weil ich sonst zuschlagen werde“ (Siehe Abb. 2.17). Ca. 8 Sekunden später auch Roman SMALUCH auf den Boden gefallen war, hört man in der Tonaufnahme, wie ich eine große Menge Sauerstoff tief in meine Lunge gesogen und schnell geatmet hatte (Die Tonaufnahme 8.2, Abschnitt 8.0, Zeitraum: 00:03 – 00:06) und (Siehe Abb. 2.22).

Ich hatte mich weder auf ihn gestützt und meine Knie auf seinen Brustkorbs gedrückt (Siehe Unterlage 088, Az; 851 Ds 263 Js 224834/14, S. 26) noch mich auf ihn kniend gesetzt (Siehe Abschnitt 16.8). Oder vielmehr: Herr S. beschwerte sich nie, dass er Probleme mit dem Atmen gehabt hatte. Wenn überhaupt, dann kommt nur der Sturz in Frage.

Zwischen den Hauptverhandlungstagen habe ich gelesen (Siehe Abschnitt 19.2.2), dass ein Pneumothorax kann auch durch einen Unfall verursacht werden, z. B. Autounfall mit Aufprall auf das Lenkrad [243]. Während des Sturzes aus ca. 1 Meter Höhe auf seine Brust wirkte die ähnliche Kraft, wie beim Aufprall auf das Lenkrad. Außerdem kann aber auch ein idiopathischer Spontanpneumothorax zustande kommen, meist durch Einreißen von sog. Spitzennarbenblasen oder Lungenbläschen z.B. bei der plötzlichen Anstrengung [093] [300]. Und Romans SMALUCHs Anstrengung war wirklich gewaltig, ungeheuer und verzweifelt.  

Zwischen den Hauptverhandlungstagen meine Frau Kinga K. hat mit einem befreundeten Rettungssanitäter aus Polen Kontakt aufgenommen und hat den Sachverhalt mit dem fiktiven Sitzen auf der Brust geschildert. Er sprach sofort über den Pneumothorax. Als der Rettungssanitäter erfuhr wie viel ich wiege und wie lange auf seiner Brust gesessen hatte und ihn mit meinem 124 Kilo Gewicht gequält, sagte er; „-Oh, meine Güte, der aggressive Opa wäre tot, bevor seine Frau zurück in die Tiefgarage gekommen wäre!“ Und weiter: „-Wer hat dir bloß so einen Unfug beigebracht?“ (Siehe Abschnitt 19.2.2).

Im Herbst 2016, mehrere Monate nach dem „Prozess“, haben wir einen Experiment gemacht: Ich legte mich ins Bett mit weicher Matratze und meine Frau setzte sich kniend auf meine Brust. Sie machte es sehr langsam,  aber bevor sie sich mit ganzem Gewicht 76 Kilo auf mich langsam setzte, hatte ich lebensbedrohliche Schmerzen an meinen Rippen bekommen, so dass ich in Panik geriet. Also bitte NICHT NACHMACHEN! Das Experiment wurde nach 4 Sekunden unterbrochen. Meine Frau hat höchstens 2 Sekunden lang mit ihrem fast ganzen Gewicht auf meinem Brustkorb gesessen (Siehe Abb. 17.2 rechts).

Das Experiment

Abb. 17.2:       Das Experiment

Und nach Angaben des Nebenklägers Romas SMALUCH, ich hatte viel länger auf seinem Brustkorb kniend gesessen und ihn noch mit Fäusten malträtiert. Die Zeitspanne zwischen dem Zeitpunkt in dem Frau SMALUCH die Tiefgarage verlassen hatte um Hilfe zu holen (Siehe Abschnitt 15.1.5) und alle 3 Nachbarn benachrichtigt hatte und dem Zeitpunkt in dem sie angeblich in die Tiefgarage zurückgekommen war und mich kniend Sitzen auf Roman SMALUCHs Brustkorb gesehen hatte (Siehe Abschnitt 14.1.9), hatte zu mindestens 3 Minuten betragen (Siehe Videoaufnahme 3.1).

In der Wirklichkeit aber 5 oder 6 Minuten. Und Herr SMALUCH hatte die fast ganze Zeit auf dem harten (!) Boden gelegen und ich hatte mich erst auf ihn mit meinem Gewicht 124 Kilo gestürzt (!) und danach auf seinem Brustkorb mit meinem Gewicht 124 Kilo kniend mindestens 3 Minuten gesessen (Siehe Abb. 17.2 links). Dabei hatte er angeblich in seiner Jacke festgehangen (Siehe Abb. 15.4). Ich denke das alleine zeigt, dass der Druck auf seine Arme und genauer gesagt auf seine Armmuskeln enorm sein müssen. Bitte, sich das vorstellen zu wollen – oder besser nicht. Der arme Opa… Und er hatte keine Verletzungen in dem Brustkorbbereich außer des angeblichen Pneumothorax gehabt (Siehe Unterlage 095).

Noch was: Bei älteren Menschen in ähnlichen Situationen sind oft Rippenverletzungen vorzufinden [007], bei jüngeren Patienten fehlen diese oft, da der knöcherne Thorax noch elastischer ist [263].

17.6     Die Kulmination der mündlichen Falschbegutachtung durch Prof. Wolfgang EISENMENGER. Ein armseliger Diffamierungsversuch: „Die Hämorrhoiden“.

Am Ende war der Druck zu groß. Prof. EISENMENGER befand sich im Erklärungszwang, unter Rechtfertigungsdruck und die ganze Zeit in der Defensive, aber er verneinte alles natürlich. Seine Reputation wurde indirekt objektiv angezweifelt, von einem Laien, der eher weniger Ahnung von Gerichtsmedizin eigentlich haben soll. Er hatte sich widerwillig in diese unmögliche Situation katapultiert und konnte nur sehr wenig überzeugend argumentieren, um überzeugend argumentieren zu können.

Prof. EISENMENGER hatte seine mündliche Erläuterung des Gutachtens eigentlich bereits beendet (Siehe Abschnitt 16.8). Die Nebenklagevertreterin RAin Julia WEINMANN und Frau Ewa CORCORAN strahlten zunehmend sehr gute Laune aus, am Ende ging es genau nach dem zuvor erstellten Plan. Das machte sich auch bei den beiden Eheleuten SMALUCH diskret bemerkbar. In ihren Gesichtern spiegelte sich Vorfreunde und Zufriedenheit.

Nachdem Richterin Dr. Ines Tauscher bemerkt hatte, dass es ziemlich spät wird (Siehe Abschnitt 17.5.1), Prof. EISENMENGER nutzte die Gelegenheit, um zu kontern. Ich denke, aber ging einzig darum, meine Glaubwürdigkeit zu untergraben und mich zu diffamieren und evtl. mir die Ehre abzuschneiden. Ich glaube aber, dass Wolfgang EISENMENGERs Attacke  war nicht persönlich gemeint. Der psychische Einfluss des primitiven Kollektivs, das die Verurteilung der Unschuldigen forderte, war zu groß. Der pöbelnde Mob verfolgte aufgrund aufgestachelter Emotionen unbarmherzig, Professor musste mitmachen, wenn er auch gar nicht wollte.

17.6.1  Prof. Wolfgang Eisenmengers Argumentation.

Prof. EISENMENGER behauptete, dass ich keine Blutungen aus dem Darm gehabt hatte. Es könnte sich nur um geplatzte Hämorrhoiden handeln. Seine Stimme wechselte von heftigen Zorn zu einer Mischung aus Zynismus, künstlicher Gelassenheit und Belustigung. Er unterstellte mir fast schon direkt, dass ich gelogen hatte. Das war sowohl unverschämt als auch unwahr (Siehe Abschnitt 17.6.2). Während die Gauner plauderten und andauernd lachten und sich darüber lustig machten, meine Frau Kinga weinte.

Nach Angaben meiner Frau, Mark NIBBE fand diese gesamte Situation belustigend. Er grinste leicht, so als ob ihm gefallen würde, was er hörte und sah. Aberwitzig… Frau CORCORAN schaute in alle Richtungen und kicherte irre, in der ihr eigenen Art. Prof. EISENMENGER Worte machten ihm so viel Spaß, dass er lachte.

Ich erinnerte den Prof. EISENMENGER, dass Herr SMALUCH hatte mir mit dem Fuß oder mit dem Knie in meinen Bauch nicht absichtlich getreten (Siehe Abb. 2.20) und die Blutungen aus dem Darm hatte ich erst bei der polizeilichen Vernehmung bemerkt (Siehe Abschnitt 4.6). Das Geraune im Gerichtssaal wurde laut und immer lauter. Professor antwortete mir nicht, aber das Lächeln in seinem Gesicht ging langsam weg.

17.6.2  Die Ergänzung: Meine Magen-Darm-Blutungen vs. Prof. Wolfgang EISENMENGERs „Hämorrhoiden“.    

So weit hat es also kommen müssen. Ich verstand damals seine beleidigte und aggressive Reaktion auf meine sachlichen Fragen nur teilweise, aber die Tatsache, dass er kollektiv beleidigend gehandelt hat, ist es aus heutiger, objektiver Sicht, im Lichte aller, auch der mir jetzt vorenthaltenen Informationen, einigermaßen nachvollziehbar.

Roman SMALUCHs Diagnose des Pneumothorax (Siehe Abschnitt 16.8) ohne Einsicht in die Krankenakte (Siehe Abschnitt 16.4) ist wohl so viel wert, wie meine Ferndiagnose bezüglich Hämorrhoiden eben wert ist. Worüber man nichts weiß, darüber kann man auch nichts sagen  – und erst recht nicht gutachten [123].

Ich bin ja der Meinung man sollte über keine Krankheit sich lustig machen. Dazu besteht bei dieser Krankheit und gerade wegen des sehr hohen Verbreitungsgrades des Leidens rational betrachtet kein Grund [226]. Prof. Wolfgang EISENMENGER der sich als der Deutschlands berühmtester Gerichtsmediziner versteht [308], enthüllt unversehens die Mentalität eines kleinen Landarztes aus vergangenem Jahrhundert.

Wenn ich wäre ein ungebildeter Mensch, der wirklich an Hämorrhoiden erkrankt ist, was sollte ich denken? Wird sich ein Arzt vor einem Haufen anderer Idioten über mich lustig machen? Oder einfach warten bis die Hämorrhoiden die Größe von Golfbällen haben? Oder bis der Schmerz die Scham besiegt? Selbst entfernen?

Woher weiß er, dass ich die Hämorrhoiden habe? Hat Professor sich schon einmal meinen Arsch angeschaut? Sorry, aber so isses (Siehe Abb. 17.3).

Institut für Rechtsmedizin LMU

Abb. 17.3:       Trotz des Fortschrittes in der Medizin, ein Arzt muss sich „das“ unbedingt anschauen, um eine Diagnose stellen zu können

Ich hatte noch niemals Hämorrhoiden gehabt. Die ersten sehr seltenen Blutungen aus dem Enddarm traten bei mir schon im Jahr 2007. Mein Gewicht betrug damals ca. 100 Kilogramm, die Blutungen hatte ich hochwahrscheinlich durch den Stress bekommen. Sie waren aber relativ schwach. Begründung: ich wurde schon einmal als völlig Unschuldiger „strafrechtlich“ 2007-2009 verfolgt (Siehe Veröffentlichung; Würzburger Abschleppmafia), und unter sehr viel Stress gelitten hatte. Sowohl kurzzeitiger, starker Stress z.B. Schock, psychische Belastung, als auch chronischer Stress über längere Zeit, sind wesentliche Risikofaktoren für die Entwicklung von Magenschleimhautentzündungen und Magengeschwüren, die unter Umständen zu Magenblutungen führen können [196].

Deswegen ging ich zu einem der besten Proktologen in München, der noch im Jahr 2008, gesetzlich versicherte Patienten behandelte. Doch er fand nichts.

Ab 2010 hatte ich auch immer stärkere Blutungen, auch in den Zeiten, in denen nicht unter Stress gelitten hatte. Die Blutungen dauerten um die 2-3 Tage und dann war es immer vorbei. Die Ursache war mir nicht bekannt. Merkwürdig war auch: Ich hatte keine Bauchschmerzen, ich habe überwiegend Vollkorn-Produkte gegessen, ich bin kein Raucher und kein Alkoholiker, etc. Ich habe aber zwischenzeitlich zugenommen.

2012: Weil die Blutungen häufiger ohne erkennbare Ursache aufgetreten waren, ich vermutete, dass ich sogar Krebs hatte. Ich ließ mich von meiner Frau überreden und ich ging erneut zu einem Proktologen. Kurios: Ein Arzt, Professor der LMU-Kolo-proktologie fand aber nichts und schickte mich in die Coloskopie-Ambulanz an der LMU München. Im Jahr 2013 hatte ich unangenehme Koloskopie, die aber keinerlei Bemerkenswertes ergab (Siehe Unterlage 047). Das Problem war dabei: die Untersuchungen wurden zwischen der Blutungen durchgeführt.

Doch es blutete weiter, ziemlich häufig. Im Sommer 2013, bemerkte ich endlich, dass die Magen-Darm-Blutungen auftreten, wenn der Druck im Bauchbereich dann stark erhöht ist. Ich entdeckte es zufällig, die Blutungen sind bei mir eingetreten, bei der Anstrengung und Druckerhöhung im Bauchbereich, z.B. beim Bücken nach einem reichhaltigen Mittagessen. Als die Ursache erkannt wurde, vermied ich solche Situationen möglichst. Ich hatte die Blutungen soweit unter Kontrolle. Die letzte Blutung hatte ich im Herbst 2016, mein kleiner Sohn mit beiden Füssen ist mir mit voller Wucht auf den Bauch gesprungen, weil ich mit ihm gespielt hatte.

Ähnliche Kräfte wirkten unter ähnlichen Bedingungen während der körperlichen Auseinandersetzung am 13.11.2014 in der Tiefgarage. Direkt vor dem Sturz auf den Boden, Romans SMALUCH versuchte sich mit einem Sprung nach vorne zu retten. Er stolperte regelrecht über mich weg und stürzte und – er trat mir wahrscheinlich mit dem Fuß oder mit dem Knie in meinen Bauch (Siehe Abb. 2.20 und 2.21). Natürlich nicht absichtlich. Ich habe ihm nie Absicht oder Vorsatz unterstellt. Das könnte ein möglicher Grund sein, muss aber nicht der Grund sein.

Während der Aussage vor Gericht, betonte ich, dass die Darmblutungen hatte ich erst bei der polizeilichen Vernehmung bemerkt. Es kann sein, dass ich mir selbst Bauchverletzung zugefügt habe. Während der Vernehmung, legte mich auf den Boden und trotz der Erschöpfung, zeigte ich die Szene in der Roman SMALUCH mich würgte und kurz danach fiel mit dem Gesicht zu Garagenboden (Siehe Abschnitt 4.6). Doch welchen Einfluss hatte Stress? Ich wurde während der Vernehmung massiv psychisch gequält (Siehe Kapitel 4).

Das Foto „von dieser Stelle“ kann ich nachreichen bzw. werde ich nachreichen. Es ist peinlich, so etwas zu veröffentlichen.

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